Erneuerung muss immer wieder erfolgen

Baptistische Reformationsausstellung ist im Rathaus von Löhne zu sehen

Löhne – Die Ausstellung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden „Reformation –#dagehtwas!“ war in der Adventszeit 2016 im Rathaus der ostwestfälischen Stadt Löhne zu sehen - ergänzt um einige Informationen über die Reformation vor Ort.

Möglich hat das die örtliche Baptistengemeinde gemacht, mit Unterstützung des Pfarrkonventes, dem neben den Baptisten und allen lutherischen Gemeinden auch die katholische Kirche angehört. Dieser Kreis nennt sich „Exegeticum“ (Latein: Auslegung) und hat seine Wurzeln in der Bekennenden Kirche zur Zeit des Dritten Reiches.

Der Baptistenpastor Enrico Klee stellte die Ausstellung vor und erläuterte am Zitat der ersten These Martin Luthers, „Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: <<Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen>>, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.“ dass „Reformation keine einmalige Angelegenheit“ sei. Erneuerung müsse vielmehr immer wieder erfolgen.
Es gelte, sich immer wieder auf die Grundlagen des Glaubens zu besinnen: auf die Worte Jesu und das Höchste Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Dies habe in der Reformation Auswirkungen auch bis ins politische Leben hinein gehabt. Der Kampf für Glaubens- und Gewissensfreiheit einerseits wie auch die Bemühungen Martin-Luther-Kings im gesellschaftlichen Horizont der USA andererseits seien beispielhafte Zeugnisse dafür, dass Erneuerung für viele Bereiche des Lebens immer wieder nötig und geboten ist. Die Ausstellung ziele darum nicht nur auf die Darstellung der Geschichte, sondern auch auf die Gegenwart. "Sie möchte helfen, die Geschichte zu verstehen – um voran zu kommen: Damit z.B. die momentanen Beziehungen zwischen uns Kirchen mehr gesehen, mehr verstanden, besser gewürdigt werden und damit die gemeinsamen Bemühungen zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen für die Zukunft gestärkt werden."
Der anwesenden Presse und interessierten Besuchern schilderte Baptistenpastor i. R. Lothar Krause, der bis 2006 selbst in Löhne tätig war, die „Spuren der Reformation“ in der Region. So sei die Reformation nach 1530 über Minden auch nach Löhne gekommen. Vor allem die protestantische Fürsten und Städte hätten sich gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers Karl V. gewandt. Anfang des 19. Jahrhunderts habe dann die Erweckungsbewegung im Ravensberger Land auch Löhne erreicht. Bedeutend sei, dass sich Pfarrer Ernst Wilm (1901 bis 1989) während des Dritten Reiches gemeinsam mit 3.600 Christen aus dem Löhner Ortsteil Menninghüffen gegen die „Deutschen Christen“ der Nationalsozialisten gewehrt habe. Von 1949 bis 1969 war Wilm Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. 
Die Ausstellung mache die Verbundenheit der christlichen Gemeinden in Löhne deutlich, sagte der Sprecher des Pfarrkonventes, Peter Außerwinkler, Pfarrer in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Löhne-Ort. Über die Ökumene hinaus gebe es auch „gute Kontakte“ zum Moscheeverein und zur Glaubensgemeinschaft der Jesiden. Dieser Zusammenhalt sei aus Sicht der Stadt bedeutsam, sagte Bürgermeister Bernd Poggemöller (SPD). Er lobte ferner das gemeinsame Engagement der Gemeinden für Flüchtlinge. Er würzte seine Ausführungen mit einem Luther-Zitat: „Dummheit regiert, wenn Bildung krepiert.“ und bedankte sich ausdrücklich - wie auch Pastor Klee und Pastor Außerwinkler - für die Möglichkeit, die Ausstellung im Rathaus zeigen zu können.
Die Ausstellung ist derzeit in der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius Löhne zu Gast und wird dann bis Oktober 2017 weiterreisen: Die nächste Station ist das Giraffenland Löhne und im April wird sie auch in der Baptistengemeinde (Kreuzkirche) zu sehen sein.